Digitale Lesung von Zeitzeugenberichten zum Ende des Zweiten Weltkriegs STIMMEN UND STIMMUNGEN 1945


„Heute früh mussten die Schüler der in Straß hausenden Lehrerbildungsanstalt den Gasthof räumen. Der Wirt und die neuen Mieter hatten es eilig. Die neuen Mieter? Ein Gruppe Generalstäbler. Überall suchen sich jetzt solche Regimentsstäbe ohne Regimenter und Divisionsstäbe ohne Divisionen einen malerischen Schlupfwinkel. Sie sind arbeitslos geworden, beschlagnahmen abgelegene Quartiere, schlafen sich aus, atmen Bergluft, bringen die Chronik ihrer Truppe á jour, vernichten zweideutige Unterlagen, besprechen die Lage, koordinieren künftige Antworten auf peinliche Fragen und lassen, während sie auf die Gefangennahme warten, in der Küche von einem Offiziersburschen die weiße Fahne bügeln.“

Erich Kästner, Mayrhofen, 30 April 1945

Aus Anlass des Endes des Zweiten Weltkriegs gaben in einer digitalen Lesung Dr. Katja Schlenker - Gerhart-Hauptmann-Haus, Klaus Peter Hommes - Stadtbüchereien Düsseldorf, Dr. Benedikt Mauer - Stadtarchiv Düsseldorf und Volker Neupert - Respekt und Mut, in Anlehnung an Walter Kempowskis "Das Echolot - Abgesang ´45" unterschiedlichen Menschen vor 75 Jahren ihre Stimmen.

In Meldungen, Tagebuchaufzeichnungen und Zeitzeugenberichten beschreiben Opfer und Täter, prominent oder verklungen, von Erich Kästner über HJ- und SS-Führer bis zur befreiten Zwangsarbeiterin, die letzten Tage der nationalsozialistischen Diktatur. Die Collage zeigt die politische Verblendungen und die fanatische Unbelehrbarkeit, aber auch Erwartungen und Hoffnungen angesichts des Endes des barbarischen Regimes.

Die in der Zentralbibliothek aufgezeichnete Lesung ist ab 18. Juni als Streaming unter https://www.youtube.com/watch?v=FY5qHEB4Ttc zu sehen.

Eine Veranstaltung von Respekt und Mut in Kooperation mit Stadtarchiv Düsseldorf, Stadtbüchereien Düsseldorf und Stiftung Gerhart-Hauptmann-Haus