70 Jahre Studien zum autoritären Charakter und aktuelle Befunde der Leipziger Autoritarismus-Studie Was können wir daraus lernen?


Erste Veranstaltung: 27. Januar 2021 von 18.00 bis 19.30 Uhr
Referent: Dr. Alexander Yendell, Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Forschungsinstitut Gesellschaftlicher Zusammenhalt der Universität Leipzig

Zweite Veranstaltung: 10. Februar 2021 von 18.00 bis 19.30 Uhr
Referent: Prof. Dr. Gert Pickel, Professor für Religions- und Kirchensoziologie am Institut für Praktische Theologie an der Theologischen Fakultät der Universität Leipzig und stellvertretender Sprecher des Kompetenzzentrums für Rechtsextremismus- und Demokratieforschung der Universität Leipzig

Letztes Jahr feierten die Studien zum autoritären Charakter (Adorno et al. 1950) ihr 70-jähriges Jubiläum. Ausgehend von dem Zusammenbruch der Weimarer Republik, dem machtpolitischen Aufstieg des Nationalsozialismus, dem Zweiten Weltkrieg sowie dem industriell-organisierten Völkermord an den Juden Europas, stellten Adorno und seine Kolleginnen, die unbequeme Frage nach der Massenbasis des Faschismus. Ihre Studie drehte sich somit um potentiell faschistische Individuen bzw. um Menschen, deren Meinungen, Attitüden, Wertvorstellungen und ideologische Präferenzen verrieten, dass sie antidemokratische Bestrebungen bereitwillig akzeptieren würden.
Ihre zentralen Befunde lauteten dabei: Antidemokratische Bewegungen punkten bei ihren Anhänger
innen durch Aversionen gegenüber gesellschaftlichen Minderheiten, wobei diese in aller Regel nicht isoliert, sondern in einer generalisierten Ablehnung von gesellschaftlichen Minoritäten auftreten, die als abweichend wahrgenommen werden. Solche minoritätsfeindlichen Einstellungen würden, so der Hauptbefund der Studien, autoritären Charakterstrukturen (z. B. Konventionalismus, Unterwürfigkeit, Aggressionen) entspringen, deren Entfaltung von der häuslichen Umwelt (z. B. autoritäre Erziehungsstile, drakonische Körperstrafen für Kinder), aber auch von sozialen und ökonomische Faktoren abhängen.

Richtet man nun den Blick auf die Gegenwart, bis heute existierende Abwertungen von Juden und Jüdinnen, Musliminnen, Sintizze und Romnja, Asylbewerber*innen, sexuellen Minderheiten, sowie die europaweiten Mobilisierungserfolge von rechtspopulistischen und rechtsextremen Parteien, dann stellt sich die berechtige Frage, ob wir auch heute noch etwas aus den Studien zum autoritären Charakter lernen können?

Dieser Frage wollen wir gemeinsam mit Dr. Alexander Yendell und Prof. Dr. Gert Pickel nachgehen. Im Fokus ihrer Vorträge stehen die grundlegenden Inhalte der Studie zum autoritären Charakter, ihre Rezeptionsgeschichte, aber auch aktuelle Erkenntnisse der Leipziger Autoritarismus-Studie (Decker und Brähler 2020) – bei der es sich um wiederholte repräsentative Bevölkerungsumfragen handelt, die in Tradition der Kritischen Theorie den in Deutschland existierenden und zunehmend aktivierten autoritären Potenzialen auf den Zahn fühlt.
Im Fokus stehen dabei die Wechselbeziehungen zwischen autoritären Charakterstrukturen, gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit, Erstarken der rechts-autoritären Alternative für Deutschland (AfD), sowie Einstellungen, die auf eine Abwendung von der Demokratie deuten könnten.

Die Veranstaltung wird von Cemal Öztürk (Universität Duisburg-Essen und Mitglied von Mosaik e.V.) moderiert.
Die Teilnahme an den beiden Veranstaltungen ist kostenlos.

Der Link zum Meeting lautet: us02web.zoom.us/j/81937151976

Zum Autoritarismus sind weitere Veranstaltungen geplant, sie werden zeitnah bekanntgegeben.
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Eine digitale Veranstaltungsreihe von Mosaik e.V. in Kooperation mit Düsseldorfer Beiträge "Respekt und Mut"