Zum Anschlag in Hanau Ihr Namen waren Ferhat U., Mercedes K., Sedat G., Gökhan G., Hamza K., Kaloyan V., Vili Viorel P., Said Nessar H. und Fatih S.


Der mörderische Anschlag in Hanau am 19.2.2020 hat uns entsetzt und zornig gemacht. Wir trauern mit ihren Angehörigen um neun Menschen, die ein rassistischer Verbrecher aus ihrem Leben gerissen hat. Manche grübelten nach der Tat über die möglichen Motive des Täters: handelte er aus einem krankhaften Wahn heraus oder folgte er einer rechtsextremistischen Agenda?. Abgesehen davon, dass Rassismus und Rechtsextremismus meines Erachtens eh schon krankhafte Züge aufweisen, so muss die Lehre aus diesem Verbrechen doch sein zu erkennen, dass das Gift der rassistischen Bösartigkeit und des Hasses schon längst in der Mitte der Gesellschaft Platz gegriffen hat. Hierbei erhebt sich die Frage, warum nicht endlich einmal Lehren ohne solche Verbrechen gezogen werden können. Wir müssen alles unternehmen, dass das Gift der Menschenfeindlichkeit das demokratische Grundwasser nicht verseucht. Der Staat muss endlich seiner Schutzfunktion für alle hier lebenden Menschen wahrnehmen, indem er den Rechtsterrorismus unerbittlich, wirksam und nachhaltig bekämpfen. Aber ebenso müssen Staat und Gesellschaft den geistigen Brandstiftern Einhalt gebieten, ob durch gesetzgeberische Maßnahmen in den sog. sozialen Netzwerken, durch permanenten Beobachtungsdruck oder durch Aktion und Aufklärung.

Die Opfer waren Freunde, Nachbarinnen, Hanauerinnen und Hanauer, mit und ohne deutsche Staatsangehörigkeit, u.a. mit türkischen, kurdischen, bulgarischen, rumänischen, afghanischen Hintergrund, sie waren Menschen in unserer Mitte.
Wir trauern mit ihren Angehörigen, die ein Recht haben, gehört und geschützt zu werden und deren unterschiedliche migrantische Wurzeln nicht instrumentalisiert werden dürfen.

In diesem Zusammenhang möchte ich Cem Özdemir zitieren, der zu Recht neulich im Spiegel schrieb: „Waren sie Muslime? Atheisten? Oder war ihnen Religion vielleicht auch einfach egal? Ja, es war auch ein Angriff auf Muslime, aber eben nicht nur. Wir gehen den Rechtsextremen auf den Leim, wenn wir unsere Welt jetzt in Muslime und Nicht-Muslime aufteilen oder einen exklusiven Beauftragten für antimuslimischen Rassismus fordern. Der Hass des Rassisten richtete sich gegen alles, was außerhalb des "Eigenen" ist und als vermeintlich "fremd" betrachtet wird. Der Feind heißt Rassismus und muss auch als solcher bekämpft werden. Wir Demokraten müssen über alle Parteien hinweg endlich begreifen: Rassismus, egal welcher Ausprägung, tötet. Früher oder später.“

Leisten wir weiter unseren Beitrag für die Einheit der Verschiedenen und treten wir ein für Demokratie, Toleranz und die universellen Menschenrechte. Bleiben wir wachsam, empfindsam, meinungsfreudig und engagiert.
Haben wir Respekt und Mut!